Vereinsgeschichte
Der Wuppertaler Sportverein Borussia (kurz: WSV) ist ein Sportverein aus Wuppertal. Deutschlandweit bekannt ist insbesondere seine Fußballballabteilung, darüber hinaus existieren jedoch auch noch Abteilungen für Handball, Boxen, Leichtathletik und Gymnastik
Geschichte
Gegründet wurde der Verein am 8. Juli 1954 durch eine Fusion des SSV 04 Wuppertal aus dem Stadtteil Elberfeld und der seinerzeit erfolgreicheren TSG Vohwinkel 80. Dabei brachten die Vohwinkler das Rot und die Elberfelder das Blau in die Farben des neu entstandenen Vereines ein.
Die Vereinigung zwischen den, wohl nicht mehr ganz zu recht, als vermögender angesehenen "Speckjägern" aus Elberfeld, deren Vereinsgeschichte rund ein halbes Jahrhundert vorher als Bergischer Wintersportverein begann, und den "Füchsen", die knapp vor ihrem 75-jährigen Vereinsjubiläum standen, war nicht unumstritten, obwohl deren Fußballmannschaften schon vorher gelegentlich bei Privatspielen als Kombination auftraten und so beispielsweise Manchester City mit 2:1 bezwangen. Dem damaligen Oberbürgermeister Heinrich Schmeißing, der von 1951 bis 1955 die Stadt führte, werden für seine diplomatischen Bemühungen große Verdienste um die Fusion zugesprochen.
Im März 2004 wurde die Fusion der beiden damals führenden Wuppertaler Fußballvereine, dem Wuppertaler SV und der SV Borussia Wuppertal 1907/1912 effektiv zum 1. Juli 2004 beschlossen. Seitdem heißt der Verein Wuppertaler SV Borussia. Der SV Borussia selbst ging 1976 aus einem Zusammenschluss von SV Germania 1907 Wuppertal und VfL 1912 Wuppertal hervor. Der Verein war bis zur Spielzeit 2001 in der Regel fünftklassig, war aber bis 2004 für drei Jahre, davon zwei parallel mit dem WSV, in der vierten Liga (der damaligen Oberliga Nordrhein). Farben und Wappen blieben die des Wuppertaler SV, die blau-gelben Insignien der alten Borussia verschwanden. Der Verein hatte 2008 ca. 1.200 Mitglieder (davon ca. 700 stimmberechtigt).
Sportliche Entwicklung
Vor der Fusion: Vier Jahre in der Gauliga
Die späteren Fusionspartner SSV Wuppertal und TSG Vohwinkel hatten vor dem Zweiten Weltkrieg bestenfalls regionale Bedeutung.
1936 qualifizierte sich der SSV Wuppertal für vier Spielzeiten zur Teilnahme an der Gauliga Niederrhein, ohne dabei größere Erfolge zu feiern. Nach zwei sechsten und einem fünften Platz bedeutete Platz Neun in der Spielzeit 1939/40 wieder den Abstieg in die zweite Klasse.
Nach dem Krieg: Qualifikation für die Oberliga West
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die TSG Vohwinkel zunächst der erfolgreichere Verein und wurde 1947 Gründungsmitglied der damals erstklassigen Fußball-Oberliga West. In den ersten beiden Spieljahren konnte bei jeweils 13 Ligateilnehmern der 10. und der 7. Platz erreicht werden.
Nach drei Spielzeiten musste die TSG Vohwinkel allerdings als 14. von nunmehr 16 Klubs in die 2. Liga West absteigen. Währenddessen durfte sich der SSV Wuppertal unter Trainer Fritz Szepan, dem großen Schalker, 1948 eines Aufstieges in die Zweite Liga erfreuen.
Nach der Fusion: Aufstieg in die Oberliga

Nach der Fusion zum Wuppertaler SV gelang diesem 1955 mit der souveränen Zweitligameisterschaft der erneute Oberliga-Aufstieg. Nach einem 10. und einem 9. Platz folgte im dritten Jahr der 15. und damit vorletzte Platz und damit der Abstieg.
Unter Trainer Robert "Zapf" Gebhardt gab es 1962 ein Comeback, als man zur letzten Oberligasaison vor Einführung der Bundesliga den Wiederaufstieg schaffte. Der WSV schloss erneut als Vorletzter ab; dennoch erreichten die Rot-Blauen das Halbfinale im DFB-Pokal.
Der große Star des Vereins in jener Ära war Horst Szymaniak, Teilnehmer der Weltmeisterschaften von 1958 und 1962, der von 1955 bis 1959 bei den Bergischen spielte und 1956 seine erste Länderspieleinladung erhielt. Ohne Zweifel ist der spätere Italienprofi der größte Spieler in der Geschichte des Vereines. Bis heute ist er auch der einzige deutsche A-Nationalspieler aus den Reihen der Rot-Blauen.

In der Bilanz jener Ära wurde der Wuppertaler SV einschließlich seines Vorgängers in der Ewigen Tabelle der Oberliga West 20. von 29 Vereinen.
Mit der Bundesligagründung: Start in der Regionalliga
In der zweitklassigen Regionalliga West gelang es dem Wuppertaler SV sofort, sich an der Spitze zu etablieren: Bereits in der ersten Saison wurde er Zweiter, und mit Ausnahme der Spielzeit 1967/68 (Platz 15) gehörte er stets zur Spitzengruppe.
Zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde reichte es aber nur 1971/72, als er mit 60:8 oder, nach heutiger Zählweise, 88 von 102 möglichen Punkten souveräner Meister der Regionalliga West geworden war, wobei allein Günter "Meister" Pröpper 52 der 111 Tore erzielte. Der WSV gewann in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga alle acht Partien - eine in der von 1964 bis 1974 währenden Geschichte der Aufstiegsrunde einmalige Leistung.
Viele ältere Wuppertaler kennen diese Mannschaft unter Trainer Horst Buhtz noch heute auswendig:
Manfred Müller -Manfred Cremer, Erich Miß, Emil Meisen, Manfred Reichert -Bernd Hermes, Herbert Stöckl, Jürgen Kohle (oder Detlef Webers) -Gustav Jung, Günter Pröpper, Dieter Lömm.
Die erfolgreichsten Jahre des WSV
Die drei Spielzeiten in der Bundesliga
Der WSV belegte in seinem ersten Jahr im fußballerischen Oberhaus einen vielbeachteten vierten Platz, der die Teilnahme am UEFA-Pokal sicherte. Günter Pröpper stellte auch in der Bundesliga seine Klasse unter Beweis und wurde mit 21 Toren Dritter der Torschützenliste; nur die legendären Gerd Müller und Jupp Heynckes trafen in dieser Saison häufiger.
In der ersten Runde des UEFA-Pokal 1973/74 zeigte sich aber, dass die Bäume für den WSV nicht in den Himmel wachsen würden. Der allgemein als schlagbar betrachtete Gegner Ruch Chorzów aus Polen sorgte bereits im Hinspiel mit einem 4:1 für klare Verhältnisse. Das Rückspiel im bis dato einzigen Europapokalspiel im Stadion am Zoo zog gerade noch 13.000 Zuschauer an. Die Aufholjagd, in welcher der WSV einen 1:3-Rückstand noch in einen 5:4-Sieg umbog, hätte wohl größeren Zuspruch verdient, bedeutete aber trotz allem das Aus für die Bergischen in der ersten und bislang einzigen Europapokalrunde.
In der Bundesliga wurde in dieser Spielzeit Dieter Lömm zum großen Helden. Sein Tor in der 82. Minute des letzten Spieltages in Stuttgart sicherte den Bergischen aufgrund der besseren Tordifferenz ein weiteres Jahr in der deutschen Eliteliga.
1974/75 musste sich die seinerzeit als überaltert angesehene Mannschaft aber als weit abgeschlagenes Schlusslicht in die 2.Bundesliga verabschieden. Der Wuppertaler SV erreichte in dieser Spielzeit nur 12 Punkte, und damit nur vier mehr als Tasmania 1900 Berlin in deren Saison der Negativrekorde. Damit manifestierte sich der Klub als zweitschlechtester Bundesligaabsteiger aller Zeiten.

Vielleicht die letzte große Erinnerung aus jener kurzen, goldenen Zeit des WSV ist der 3:1-Heimerfolg über den FC Bayern München um Franz Beckenbauer in der letzten Spielrunde, der damals den Weltfußball dominierte, im nationalen Vergleich aber nur auf Sparflamme kochte.
1975 bis 1980
Der Wuppertaler SV konnte nach dem Abstieg aus der Bundesliga noch weitere fünf Jahre in der Zweitklassigkeit aufrechterhalten, nach der Fusion der Nord und Südstaffeln der Zweiten Bundesliga verabschiedeten sich die Wuppertaler aus dem zweiten Fußballoberhaus.
In der "Ewigen Tabelle" der Bundesliga des DFB wird der WSV derzeit auf Platz 37 geführt.
1981 bis 1992
In den achtziger Jahren war der WSV in der dritten Liga (Oberliga Nordrhein) anzutreffen. Immer wieder wurde als Saisonziel der Aufstieg ausgegeben, aber erst 1990/91 gelang mit dem ersten Platz in der Oberliga Nordrhein die Qualifikation für die Aufstiegsrunde, in der die Wuppertaler zunächst noch scheiterten, diese aber im nächsten Jahr erfolgreich absolvierten und unter Trainer Wolfgang Jerat wieder in die Zweite Liga zurückkehrten.
1992 bis 1994
Es folgten zwei Jahre in der Zweiten Liga, die nach der Wiedervereinigung mit 24 Teams (1992/93) und 20 Teams (1993/94) besetzt waren. In diesen zwei Jahren trainierten vier Trainer (Wolfgang Jerat, Gerd vom Bruch, Michael Lorkowski und Dieter Tratemann) die Mannschaft und in der zweiten Spielzeit konnten die Bergischen die Liga nicht verteidigen.
Seit 1994
Seither ist der WSV vornehmlich in der dritten Liga anzutreffen, um die Jahrtausendwende musste der WSV vier lange Jahre in der vierten Spielklasse verbringen. 2008 gelang die Qualifikation für die Dritte Liga, in der die rot-blauen diese Saison absolvieren.
Erfolge in DFB-Pokal
Älteren Wuppertalern ist das Jahr 1963 noch gut in Erinnerung, als die Wuppertaler bis ins Halbfinale vorstürmten. Dort unterlagen sie aber im überfüllten Stadion am Zoo vor fast 40.000 Zuschauern dem späteren Pokalsieger Hamburger SV um Uwe Seeler unglücklich mit 0:1.
Der nächste Erfolg liegt gar nicht so weit zurück. Im DFB-Pokal 2007/08 qualifizierte sich der Wuppertaler SV nach Siegen über den FC Erzgebirge Aue (5:4 n. E.) und Hertha BSC (2:0) für das Achtelfinale, in welchem er gegen den FC Bayern München mit 5:2 ausschied. Nach 1963 war dies die zweitbeste DFB-Pokal-Saison.
Erfolge
- Teilnahme am UEFA-Pokal 1973/74 (Erstrunden-Aus gegen Ruch Chorzów (1:4 und 5:4)
- Aufstieg in die 1. Bundesliga 1972
- 1. Bundesliga 1972-75 (1972/73: 4. Platz, 1973/74: 16. Platz, 1974/75: 18. Platz)
- Zweimaliger Aufstieg in die Oberliga West (1955, 1962)
- Oberliga West 1955-58, 1962/63 (vor Gründung der Bundesliga die höchste deutsche Spielklasse) (1955/56: 10. Platz, 1956/57: 9. Platz, 1957/58: 15. Platz, 1962/63: 15. Platz)
- Aufstieg in die 2. Bundesliga 1992
- 2. Bundesliga 1975-80, 1992-94
- DFB-Pokal Halbfinale 1963 (Wuppertaler SV - Hamburger SV 0:1)
- Meister der Oberliga Nordrhein (1990, 1992, 2000, 2003)
- Gewinner des Verbandspokales ARAG-Pokal (Niederheinpokal) (1999, 2000, 2005, 2007)
Bekannte Spieler
Der Mittelstürmer Günter Pröpper, von seinen Fans auch liebevoll "Meister" Pröpper genannt, spielte beim WSV von 1970 bis 1979. Er ist das Aushängeschild der letzten großen Glanzzeit der bergischen Löwen und sicherlich auch der populärste Spieler aller Zeiten des Vereines. Wohl auch wegen des seinerzeitigen Überangebotes von Weltklassestürmern in Deutschland blieb ihm die Berufung in die Nationalelf verwehrt. In der Bundesliga erzielte er in 87 Einsätzen 39 Tore für den WSV und kam in der zweiten Liga bei 107 Spielen zu 35 Toren.
Der aus Oer-Erkenschwick stammende Außenläufer Horst Szymaniak, spielte beim WSV von 1956 bis 1959, ist als zweifacher WM-Teilnehmer der wohl bedeutendste Spieler, der für den Verein auflief. Er ist auch der einzige Wuppertaler Spieler, der während seiner Zeit beim WSV zum Nationalspieler avancierte. In seiner Zeit in Wuppertal spielte er 20 Mal im Adlerdress und erhielt insgesamt 43 Berufungen. 1964 gewann er mit Inter Mailand den Europapokal der Landesmeister.
Erich Probst, 1956-1958, 19-facher österreichischer Nationalspieler von SK Rapid Wien, WM-Dritter 1954, ebendort zweiter der Torschützenliste mit sechs Treffern. Er erfüllte die in ihn gesetzten Erwartungen beim WSV aber nur bedingt.
Alfred "Coppi" Beck, 1955-1958, ein Länderspiel für Deutschland (FC St. Pauli),
Erich Haase, 1956-1968, ein A-Länderspiel für die DDR (BSG Turbine Halle).
Waldemar Ksienzyk, 1992-1994, ein Länderspiel für die DDR (BFC Dynamo)
Der gebürtige Wuppertaler Erich Ribbeck spielte schon für den SSV und danach noch beim WSV. Als Trainer bei Rot-Weiss Essen setzte er Günter Pröpper auf die Bank (1968/69), woraufhin dieser sich dieser zum Wechsel nach Wuppertal entschloss.















